Will Eisner – Graphic Novel Godfather

© 2022 Will Eisner Studio Inc.

Will Eisner – Graphic Novel GodfatherEine Retrospektive

15. Mai bis 19. JuniKunstmuseum

Öffnungszeiten: 

Mi/Fr/Sa 11:00–15:00, Do 11:00–19:00, So 11:00–16:00 Uhr
Sonderöffnungszeiten 16. bis 19. Juni: Do 12:00–19:00, Fr/Sa 10:00–19:00, So 10:00–18:00 Uhr

Zur Ausstellung erscheint eine 384 Seiten starke Monographie über Leben und Werk des Künstlers (beim Verlag bereits vergriffen, nur noch in der Ausstellung erhältlich).

Eine Ausstellung des schauraum: comic + cartoon, Dortmund für den 20. Internationalen Comic-Salon Erlangen im Kunstmuseum Erlangen

Eintritt: 2,– Euro (Spende)
mit Salon-Ticket Eintritt frei!

Will Eisner (1917–2005) gilt als einer der Gründerväter des modernen Comics. Nicht umsonst tragen die „Oscars“ der Comic-Branche, die seit 1988 jährlich die besten Schöpfungen des Mediums in den USA auszeichnen, seinen Namen: „Will Eisner Comic Industry Awards“. Eisner war nicht nur Zeichner und Texter, sondern auch Theoretiker und Produzent. Und er war der „Erfinder“ der Graphic Novel. Eisner gestand Comic-Erzählungen die Form und den Umfang zu, den sie bedurften. Dank ihm dürfen Comics heute Bücher sein. 1994 wurde er in Erlangen mit dem Max und Moritz-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Als Eisner Mitte der 1930er-Jahre – nicht einmal 20 Jahre alt – die Bühne der Comics betrat, steckte das Comic-Heft noch in seinen Kinderschuhen. Eisner zeichnete im Akkord: in jedem gewünschten Stil und in jedem Genre. Als man ihm 1939 das (wirtschaftlich riskante) Angebot machte, eine Art Comic-Heft für Zeitungen anstelle der traditionellen Sonntagsseiten zu produzieren, griff er zu und kreierte The Spirit. Da seit 1938 Superhelden der große Quotenbringer am Comic-Markt waren, verpasste Eisner seinem Gangsterjäger kurzerhand eine Augenmaske. Eigentlich ging es ihm aber gar nicht um die Kolportage von Heldentaten, sondern vielmehr darum, die Techniken des Erzählens mit Wort und Bild zu ergründen und ein Auge auf die Ursachen von Kriminalität und gesellschaftlicher Dysfunktionalität zu werfen. Eisner, selbst in Brooklyn und in der Bronx in armen Verhältnissen als Kind von jüdischen Einwanderer-Eltern aus Österreich und Rumänien aufgewachsen, wollte von den Rändern der amerikanischen Gesellschaft erzählen, von den Verlierern, den kleinen Leuten im Dunkel der engen Gassen der Mietskasernen. Eisner rang dem Medium ausgeklügelte Dramaturgien, spektakuläre Perspektiven, subjektive Sichtweisen, ungewöhnliche Schnitte und formale Experimente ab.

1969 musste Will Eisner seine 16-jährige Tochter zu Grabe tragen, die an Leukämie erkrankt war: eine heftige Zäsur. Jobs für das Pentagon oder große Firmen wurden Eisner nun mehr und mehr zuwider. Gleichzeitig hatte sich die Comic-Szene emanzipiert: Underground, Independent und Selbst-Distribution waren die Schlagworte der Zeit. Das gefiel Eisner. So etwas hatte er sich immer für das Medium gewünscht. Der fast 60-Jährige leckte wieder Blut und machte sich an die Arbeit. 1978 erschien ein 196 Seiten starkes Comic-Buch mit dem Titel „A Contract with God and Other Tenement Stories“ (dt. „Ein Vertrag mit Gott und andere Mietshaus-Stories aus New York“). Neben dem Titel prangte auch gleich die Definition dieser neuen Comic-Gattung: „A Graphic Novel by Will Eisner“. Eisner hatte jetzt noch 27 Jahre Lebenszeit, in denen er nicht nur diverse Sachbücher zum Thema der „Sequenziellen Kunst“ vorlegte, sondern 16 weitere, höchst ambitionierte Graphic Novels. Dieses „Spätwerk“ hatte es tatsächlich in sich.
Alexander Braun